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Bei zu viel Gefühl einmal durchatmen

(pd) Broker sind auch nur Menschen. Doch es kann sie teuer zu stehen kommen, wenn sie sich bei ihren Entscheidungen zu sehr von ihren Gefühlen leiten lassen und dadurch ihren Gewinn mindern - oder sogar Verlust machen. Philips hat nun ein Konzept entwickelt, das den Anleger warnt, wenn das Gefühl zu groß wird.

 

Immer schneller blinken die Lichter auf und verblassen im nächsten Moment wieder, ziehen ihre leuchtenden Muster über die Oberfläche der braunen Schale, strahlen zunächst hellgelb, dann orange und schließlich in intensivem rot. Zeit, sich zurückzulehnen, tief durchzuatmen, die Hand von der Maus zu nehmen, vielleicht ein Glas Wasser zu trinken und den geplanten Aktienkauf zu verschieben. Ihn noch einmal in Ruhe zu überdenken, wenn die Lichter sich wieder beruhigt haben, wenn sie wieder schwächer und gelb leuchten.

Philips Rationalizer

Erfolg an der Börse erfordert einen klaren Kopf. Der Rationalizer zeigt an, wenn zuviel Gefühl im Spiel ist.

 

Die schlichte flache Schale, die auf einem Wohnzimmertisch platziert auch eine Obstschale sein könnte, ist in Verbindung mit einem Armband Teil des so genannten Rationalizers. Er soll Anleger, die ihre Börsengeschäfte in Echtzeit im Internet betreiben, vor überstürzten Entscheidungen bewahren. Das Armband - das EmoBracelet – misst den Gefühlszustand des Investors und sendet das Ergebnis an die EmoBowl, eben jene Schale, auf der umgehend ein Lichtspiel seine Gefühle in Szene setzt. Entwickelt hat den Rationalizer Philips Design gemeinsam mit der Ideenschmiede der niederländischen Bank ABN AMRO, über deren Online-Plattform viele Privatanleger ihre Geschäfte abwickeln. Noch liegt der Gefühlsmesser zwar nicht in den Regalen der Geschäfte, sondern befindet sich erst mitten in der Testphase, aber dass der Markt genau solch ein Instrument braucht, steht nicht zur Diskussion.

 

In der Behavioral Finance, eine Forschungsrichtung, die sich mit der Psychologie von Anlegern beschäftigt, ist bereits seit langem bekannt, dass bei jedem Aktiendeal Gefühle im Spiel sind – allerdings nicht zum Vorteil des Anlegers. Denn den höchsten Gewinn verbuchen die Broker, wenn sie möglichst rational handeln. Dass sie aufgrund unbewusster Verhaltensweisen häufig weniger Rendite erzielen als möglich oder sogar Geld verlieren, hat auch eine Online-Befragung der Commerzbank Private Banking ergeben, für die sie im vergangenen Jahr 136 Besucher der eigenen Internetseiten befragt hatte. „Vor allem zwei Gefühle sind es, die den Anlegern im Weg stehen“, sagt Geert Christiaansen, Leiter Business Development bei Philips Design, „Gier und Angst.“. Gier etwa führe dazu, steigende Aktien zu lang zu behalten, und Angst sei der Grund, weswegen Anleger eine Anlage sofort beim ersten Wertverlust abstießen.

 

Dass vor allem Privatanlegern ihre Gefühle in die Quere kommen, hatte auch die Bank ABN Amro bei ihren eigenen Kunden beobachtet. Denn zum einen handeln sie mit ihrem eigenen Geld und zum anderen sind sie weniger gut ausgebildet als professionelle Anleger. „Es war ein Wunsch des Marktes“, sagt Geert Christiaansen, „etwas zu entwickeln, das den Anlegern ihren eigenen Gefühlszustand vor Augen führt und sie so vor unüberlegten Entscheidungen warnt.“ Und zwar genau in der Situation, wenn es den Anlegern aus irrationalen Motiven in den Fingern zuckt. „Letztlich entscheidet jeder zwar selbst, ob er auf das Lichtspiel in der EmoBowl reagieren und eine Pause einlegen will, zumindest aber wissen die Anleger um ihre eigene Aufgeregtheit“, sagt Christiaansen. Die Art der Gefühle spielt dabei keine Rolle – ob Angst, Gier oder Freude misst der Rationalizer nicht – es geht ausschließlich um den Grad der Erregtheit. Natürlich funktioniere der Rationalizer nur als zusätzliche Information zu vorhandenem Wissen über die Börse, die bisherige Kursentwicklung und die Fundamentaldaten der Anlage, sagt Christiaansen.

 

Denn Banken, Medien und Wissenschaftler haben die kleinen Anleger längst als Zielgruppe für sich entdeckt und versorgen sie auf Online-Portalen, in Bücher, Newslettern, Blogs und Artikeln mit Wissen rund um die Börse. ABN Amro bildet seine Kunden sogar in einer Online-Trade Akademie aus, erstellt – wie viele andere Banken auch – Profile ihrer Kunden und kontaktiert sie, sobald sie ungewöhnliche Käufe oder Verkäufe tätigen. Die Gefühle, die direkt bei der Transaktion eine Rolle spielen, hat bisher jedoch noch niemand zu messen versucht. Das Gemeinschaftsprojekt des Finanzspezialisten und des Elektronikkonzerns ist das erste seiner Art.

Philips Rationalizer

Gefühlsdetektor für die Finanzwelt: EmoBracelet und EmoBowl

 

Die Technik, die dahinter liegt, ähnelt dem Prinzip von Lügendetektoren. Sie basiert auf der Annahme der so genannten elektrodermalen Aktivität, auch galvanische Hautreaktion genannt. Mit steigender Erregung nimmt danach die Schweißproduktion der Haut zu und somit ihr Leitungswiderstand ab, was wiederum bedeutet, dass die Haut elektrische Spannung besser leitet. Diese Leitfähigkeit messen die sechs im braunen Armband angebrachten silbernen Sensoren und schließen so auf den Grad der Erregtheit. Mit steigender emotionaler Erregtheit beginnen sowohl die LED im Display des Armbands zu leuchten als auch die insgesamt 1600 LED in der dazugehörigen EmoBowl, die in Sichtweite des Anlegers stehen sollte. Je mehr Emotion, desto schneller bewegt sich das animierte Lichtmuster. Gleichzeitig ändert sich die Lichtfarbe von gelb ins Rote – und signalisiert eindeutig „Gefahr!“.

 

„Es war die schnellste, leichteste und beste Lösung, die bereits existierende Technik einfach zu verbessern“, sagt Christiaansen. Sie hätten bei der Entwicklung auch andere biometrische Werte in Erwägung gezogen, zum Beispiel die Herzrate, von der sich auf die emotionale Erregtheit schließen ließe. Das aber sei mit den Design-Ansprüchen der Kunden nicht vereinbar, sagt Christiaansen. „Denn die Herzrate wird zum Beispiel über einen Clip am Ohr gemessen, den viele Anleger nicht tragen wollen.“ Vor allem Männern gefiele der Clip nicht. Die aber sind die Hauptzielgruppe des Produkts. Zum einen, weil weitaus mehr Männer an der Börse handeln, zum anderen aber auch, weil sie stärker auf eine solche Hilfe angewiesen sind. „Männer lassen sich schneller von ihren Gefühlen mitreißen“, sagt Christiaansen.

 

Ob der Rationalizer bald die Möglichkeit bekommt, die Märkte zu erobern, ist noch nicht entschieden. Das Prinzip des Prototyps werde man künftig sicherlich in marktreifen Produkten finden, sagt Christiaansen, denn nicht nur in der harten Finanzwelt werde es in Zukunft viel stärker um die Gefühle der Menschen gehen. Sowohl Philips Design als auch Philips Research beziehen deswegen bereits seit vielen Jahren nicht nur das physische sondern auch das emotionale Befinden der Menschen in ihre Forschungen ein. „Die Entwicklung des Rationalizer ist zwar schon sehr weit fortgeschritten“, sagt Christiaansen, wenn er jedoch den Markt erobern solle, müsse er noch weiter perfektioniert werden. So muss er in Zukunft auf allen Hauttypen und in jedem Klima funktionieren. „Deswegen testen wir ihn unter allen erdenklichen Bedingungen“, sagt Christiaansen, „und noch dazu mit verschiedenen Anlegercharakteren.“ Dabei kann dann sogar herauskommen, dass eine Gefühlskontrolle nicht bei jedem Anleger ratsam ist: „Es ist zwar bewiesen, dass zu starke Erregung in die eine oder andere Richtung bei fast allen Menschen die falsche Entscheidung herbeiführt“, sagt Christiaansen. Dennoch sei ja jeder verschieden: „John McEnroe hat zum Beispiel am besten Tennis gespielt, wenn er sehr erregt war, aber das ist Tennis – und zudem eine Ausnahme.“

 

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(bitte AdressePhilips Unternehmenskommunikation
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E-Mail: veronika.hucke@philips.com

 

Gefühlsdetektor für die Finanzwelt: EmoBracelet und EmoBowl


 
 

Erfolg an der Börse erfordert einen klaren Kopf. Der Rationalizer zeigt an, wenn zuviel Gefühl im Spiel ist.


 

 


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