Regelmäßiges Training ist wichtig, damit Patienten nach einem Schlaganfall ihre Beweglichkeit zurückgewinnen und somit in die Lage versetzt werden, wieder ein weitgehend unabhängiges Leben zu führen. Die Realität sieht leider häufig anders aus. Viele von einem Schlaganfall Betroffene erhalten nach der Entlassung aus dem Krankenhaus nicht die optimale Unterstützung bei der Rehabilitation, denn eine Therapie zu Hause ist kostspielig, aus dem Haus trauen sich die Patienten aufgrund ihrer Einschränkungen vielfach nicht. Jetzt haben Forscher eine Lösung entwickelt, mit der Schlaganfall-Opfer in ihrem gewohnten Umfeld selbstständig die für ihre Rehabilitation erforderlichen Übungen durchführen können. Die von Philips entwickelte Technologie nutzt Bewegungssensoren, die der Patient am Oberkörper und an den Armen anbringt. Die Sensoren sind über Funk mit einer Konsole verbunden, über die ein individuell für den Patienten von einem Physiotherapeuten zusammengestelltes Trainingsprogramm abläuft. Während der Patient die Übungen durchführt, werden seine Bewegungsabläufe auf dem Bildschirm dargestellt. Dadurch hat er eine unmittelbare Rückmeldung, ob er die Übungen korrekt durchführt, bzw. worauf er besonders achten muss. Die Konsole überträgt die Trainingsergebnisse anschließend zurück an den Physiotherapeuten, so dass dieser immer über den Trainingsstand seines Patienten informiert ist und Übungen bei Bedarf anpassen kann. Ein Prototyp des Systems wird aktuell an der Charité Universitätsmedizin Berlin getestet und weiter entwickelt. “Gerade für ältere Schlaganfall-Patienten ist es aufgrund eingeschränkter Beweglichkeit und geistiger Fähigkeiten schwierig, Therapieangebote außerhalb des Krankenhauses wahrzunehmen“, erläutert Prof. Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen, Leiterin der Forschungsgruppe Geriatrie. “Das System, das wir gemeinsam mit Philips entwickeln, würde es älteren Schlaganfall-Patienten ermöglichen, ihre Übungen zu Hause durchzuführen und es würde Therapeuten erlauben, gleichzeitig mehr als einen Patienten zu betreuen.“ Schlaganfall ist weltweit die dritthäufigste Todesursache und führt bei Überlebenden häufig zu schweren, dauerhaften Behinderungen. Allein in Deutschland erleiden jährlich 165.000 Menschen einen Schlaganfall. Fast 65.000 der Betroffenen sterben im Verlauf eines Jahres. Von den Überlebenden behalten 64.000 eine Behinderung und bleiben pflegebedürftig. Insbesondere ältere Menschen sind von Schlaganfällen betroffen: 80 Prozent sind 60 Jahre oder älter. Da diese Bevölkerungsgruppe stark wächst, ist bereits heute absehbar, dass auch die Zahl der Schlaganfall-Opfer weiter steigen wird. Innerhalb der nächsten Jahrzehnte wird voraussichtlich der Anteil der über 60-jährigen in Deutschland von 24 Prozent im Jahr 2003 auf 38 Prozent im Jahr 2050 steigen. Die Zahl der Schlaganfallopfer wird sich im gleichen Zeitraum fast verdoppeln – auf geschätzte 300.000 Betroffene (1). (1) Geschäftsstelle des IZPH, Interdisziplinäres Zentrum für Public Health (IZPH) der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg 2004. |